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Rezension zur Ausstellung von Tomáš Měšťánek in der Galerie Nová síň in Prag, 2008

Tomáš Měšťánek ist ein Maler, der es schafft, mit einer treffenden Metapher die Beziehungen in der heutigen, manchmal brutalen und rücksichtslosen Gesellschaft aufzuzeigen. Die Ausstellung in der Prager Galerie Nová síň nannte er „Boxen und Ampeln“

Měšťánek kann mit einer starken Überzeugungskraft die Einsamkeit des Einzelnen und zugleich sein schlechtes Benehmen und die Absurdität genau gewählter Geschichten und Situationen darstellen. Er beherrscht perfekt die klassischen Techniken der bildenden Kunst, also das Zeichnen und das Malen. Seine Bilder basieren natürlich auf dem Vermächtnis einiger Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts, sie spiegeln jedoch auf eigene Art und Weise die jüngste Vergangenheit wider. Man erkennt darin den Einfluss von Expressionismus und einigen Wellen des Symbolismus, die sich nach und nach seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten. Sie zeigen, wie nah Měšťánek das mitteleuropäische Gefühl und die mitteleuropäische Denkweise sind.

Der Künstler schöpft jedoch vor allem aus persönlicher Erfahrung, aus der Beobachtung verschiedenster Situationen, dem Nachdenken darüber, was sich um uns herum abspielt. Es kann sich um zufällige Handlungen in den Straßen einer Stadt handeln, die jedoch für unsere Zeit charakteristisch sind. Um die Darstellung von Kneipenatmosphäre, das Einfangen vom Gesichtsausdruck bei Menschen, die ins Leere starren, um den ironischen Blick in eine unsichere und unbekannte Zukunft. Seine Malerei ist sehr ausdrucksstark, sie strahlt das Interesse des Künstlers an Schicksalen Anderer aus. Der Autor behält dabei einen gewissen Abstand, benutzt übertriebene Darstellungen. Außerdem schafft er es, seine Gefühle mit deutlichen Gesten und einer scharfen, jedoch immer berechtigten Verzerrung der Formen auszudrücken. Seine Bilder, egal mit welchem Thema sie sich beschäftigen, drücken einerseits Hoffnungslosigkeit und andererseits doch noch eine Hoffnung in die Besserung der zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Die Menschen darin warten immer auf etwas, es ist nur nicht ganz klar, ob sie wissen oder zumindest ahnen worauf, oder ob sie eine Chance haben, dass ihr Warten irgendwann ein Ende hat. Manchmal sind es die, die ihr Ziel verloren haben, manchmal die, die noch dabei sind, es zu finden.

Tomáš Měšťánek knüpft gedanklich an die Werke einiger Mitglieder der Gruppe 42 an. Genauso wie sie versucht er erfolgreich, die Einsamkeit des Einzelnen in den menschengefüllten Straßen einzufangen, die Entwicklung und den Sinn unserer Zivilisation im Verhältnis zu der Unendlichkeit des Universums darzustellen. In manchen Momenten erinnert er an Hudeček´s Nachtgänger. Auch seine Figuren irren ziellos durch die Straßen und oft bleiben ihnen nur Träume, die selten erfüllt werden. Er malt jedoch mit einer gewissen Ironie, ernste Situationen überspielt er mit einem wirkungsvollen Sarkasmus.

Jiří Machalický, Kunstkritiker und Kunsthistoriker

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